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Zusätzliche Maßnahmen in der Atem-Physiotherapie bei CF

Marlies Ziegler
Pysiotherapeutin
Christiane-Herzog-Ambulanz im Dr. von Hauner’sches Kinderspital / München

 

Die Lunge (= respiratorische Einheit) und die Atempumpe (= ventilatorische Einheit - bestehend aus: Atemzentrum und peripheren Nerven, Skelettanteilen des Thorax und Thoraxmuskulatur) bilden eine Funktionseinheit. Eine Störung in einem der beiden Systeme hat Auswirkung auf das Andere. Solange z. B. die Kraft der Atemmuskulatur reicht, kompensiert diese die Atemwegsobstruktion, den Elastizitätsverlust der Lunge, die Reduktion der Diffusionsfläche bei Atemwegserkrankungen.
Bei der Mukoviszidose kommt es durch den genetischen Defekt zur Bildung von zähem Schleim, der in den Bronchien haften bleibt. Damit steigt der Atemwegswiderstand. Die Folge sind erhöhte Atemarbeit und mehr Sauerstoffverbrauch. Infolge der zunehmend hypertonen    (Atem- )Muskulatur und verspanntem Gewebe wird die Thoraxbeweglichkeit eingeschränkt. Die Atempumpe wird weiter / andauernd belastet und auch der Sauerstoffverbrauch steigt weiter an. Gestörter Gasaustausch und überbeanspruchte Atemmuskulatur sind die Folge. Beim Mukoviszidosepatienten gehört der Zwerchfelltiefstand und die vermehrte Einatemstellung des Brustkorbs oft zum typischen Erscheinungsbild.

 

Die Sekretförderung steht als eine der Hauptaufgaben der CF-Physiotherapie an erster Stelle, geht es doch hierbei darum, die intrapulmonalen Widerstände infolge des zähen Sekrets gering zu halten, und dadurch die erforderliche Atemarbeit zu reduzieren.
Neben der Inhalationstherapie bzw. den sekretmobilisierenden (Selbsthilfe- )Techniken kommen des weiteren Maßnahmen zum Tragen, die darauf abzielen, die hohen elastischen Widerstände in Muskulatur und Gewebe abzusenken:

  • Klassische passive Atemtherapie   (z.B.: Vibrationen, Kontaktatmung, Hautfaltenabziehen)
  • Manualtherapie  (z.B.: Manuelle Therapie / Cyriax / Maitland , Reflektorische Atemtherapie)
  • Entspannungs- und Lösungstherapie  (z.B.: Autogenes Training, Lösungstherapie n. Schaarschuch-Haase)

Der Vollständigkeit halber könnte man auch noch die

  • Ordnungstherapien  (z.B.: Craniosacraltherapie, Reflexzonentherapie am Fuß n. Hanne Marquart, Osteopathie)

hinzunehmen.

 

Die klassische passive Atemtherapie findet ihre Anwendung besonders bei Säuglingen und schwerkranken Patienten, mit dem Ziel erhöhte Gewebswiderstände zu senken. Bekannte Inhalte sind u. a. Kontaktatmung, Vibrationen, Ausstreichen der Zwischenrippenräume, Hautfaltenabziehen. Zusätzliches Umlagern / Lagerungsdrainagen helfen, die Durchblutung (= Perfusion) und Belüftung (= Ventilation) der Lunge zu verbessern und so passiv den Sekret-Transport zu unterstützen.

 

Bei der Manualtherapie geht es darum, mit Hilfe verschiedener Techniken das Bewegungsausmaß der Gelenke bzw. die Beweglichkeit des Körpers zu verbessern. Bei der Mukoviszidose stehen vor allem die Wirbelsäule und die Rippengelenke, aber auch die stammnahen Gelenke ( Schulter und Hüfte ) im Blickpunkt.
Hier nimmt auch die Reflektorische Atemtherapie ( RAT ) einen großen Stellenwert ein. Sie will durch eine aktive Stimulierung konkreter Körperrezeptoren den Atemrhythmus des Patienten optimieren, d. h. einen möglichst ökonomischen Einsatz der Atemmuskulatur erreichen.
Einhergehend mit der Optimierung der Atmung wird auch die Beweglichkeit des Körpers verbessert. Zu den technischen Inhalten zählen: Wärmeapplikation, Manuelle Griffe, Atemgymnastik. Die Wärme bereitet die Behandlung vor, dient der Stoffwechselanregung, Durchblutungssteigerung und auch der Sekretlockerung. Die manuellen Techniken umfassen Dehn-, Druck- und Periostreize. Sie zielen besonders auf den Muskel-Sehnen-Knochen-Übergang der Atemmuskulatur ab. Über die Mechanorezeptoren in der Muskulatur wird der Reiz weitergeleitet zur Medulla oblongata (=  verlängertes Rückenmark -> Sitz des Atemzentrums). Von dort kommt dann der Impuls zur vertieften Atmung, zur Aktivierung des Zwerchfells. Das Zwerchfell als einer der zentralen Ansatzpunkte der RAT ist bei Atemwegserkrankungen häufig in seiner Schwingfähigkeit eingeschränkt ( infolge von forcierter Ausatmung sind die Bauchmuskeln fest und auch die Rückenmuskulatur im Bereich der Lendenwirbelsäule ist meist verspannt ). Neben einer größeren Zwerchfellaktivität und einer unwillkürlichen Veränderung der Atembewegung entstehen tiefe, entspannte Atemzüge, die wiederum in den Bronchien Weitenschwankungen erzeugen, die den Sekret-Transport positiv unterstützen. Des Weiteren kommt es zu einer reflektorischen Wirkung auf die Organe: zum einen über die Head’schen Zonen, zum anderen über das Mitreagieren des Vegetativen Nervensystems. In der Betrachtungsweise des Behandlers steht auch immer das Wechselspiel zwischen Körpervorder- und  Körperrückseite, zwischen Rechts und Links, sowie Oben und Unten (= Bipolarität ). Die Wirbelsäule als „ Achse des Atems “ soll flexibel gemacht werden, um den Atem quasi gut von unten über die Seiten nach oben zu transportieren. Um den erreichten Effekt, die Optimierung der Atempumpfunktion, weiter zu unterstützen, dient die Atemgymnastik ( Therapeutische Körperstellungen, Yogagymnastik ).

 

Auch die Entspannungs- und Lösungstherapie will über Eingrenzen des Gesichtsfeldes und damit verbunden dem Wegschalten von Unruhe und Angst, Atemnot reduzieren und ein zu starkes Anspannen der Ein- und Ausatemmuskulatur vermindern. Damit sinkt dann die Atemarbeit. Und: ein entspannter Zustand ist erfahrungsgemäß eine wichtige Voraussetzung für die Sekretentfernung aus den Atemwegen.
Neben z. B. dem Autogenen Training und der Progressiven Muskelentspannung nach Jakobsen bietet auch die Lösungstherapie nach Alice Schaarschuch und Hedi Haase gute Möglichkeiten. Erreicht werden soll eine muskulär-vegetative Tonusregulation und ein „ In-die-Mitte-Kommen “. Im Mittelpunkt steht die Atmung. Widerstände gegen die Atmung ( in Muskulatur und Gewebe ) sollen abgebaut und eine Veränderung im Atemmuster erreicht werden. Wichtigstes Behandlungsprinzip ist die Konzentration auf den Körper und die Verarbeitung von Sinneseindrücken, u. a. über vergleichendes Wahrnehmen. Es wird der Mensch im Ganzen angesprochen ( -> ganzheitlicher Therapieansatz ).

 

So meinen die Ordnungstherapien ebenfalls den ganzen Menschen. Es wird ordnend in Körpervorgänge eingegriffen, der Therapeut tritt mit dem „ inneren Arzt “ in Verbindung, die Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Auch hierzu zählt die RAT, die wie bereits oben beschrieben immer auch die Wechselbeziehungen ( -> Bipolarität ) im Auge behält und auch Reaktionen auf psychischer Ebene zu folge hat. Ebenso ist beispielsweise die Reflexzonentherapie am Fuß ( RZF ) nach Hanne Marquart mehr als nur eine Fußmassage. Im Fuß werden alle Organe und Systeme des Menschen quasi bildschirmähnlich in verkleinertem Maßstab abgebildet, und über gezielte Griffe im Fußgewebe werden die auffälligen Zonen behandelt und im Kontext zueinander betrachtet. Die Ausgleichsgriffe aus der RZF lassen sich auch wunderbar in andere Therapieformen integrieren, und helfen z. B. oft, heftige vegetative Reaktionen wie Herzrasen, starke Unruhe, plötzliches Schwitzen  zu beruhigen.

 

Dies ist sicher nur ein kleiner Auszug an Möglichkeiten, die uns Therapeuten in der CF-Behandlung zur Verfügung stehen. Sie ersetzen die bekannte CF-typische Physiotherapie  ( Inhalation, Autogene Drainage, PEP-Atmung ...) nicht, ergänzen sie aber auf wertvolle Weise.

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